Frankfurt Airport City - Chance oder Risiko für die Rhein-Main Region?
Gemeinsame Fachtagung von RMI, KAG und SRL am 22.4.2008
Von: @RMI - KAG - SRL <2008-04-22>
Was bedeutet das Projekt "Frankfurt Airport City" für die Region? Eine gemeinsame Fachtagung von RMI, KAG und SLR am 22.4.2008 nahm Chancen und Risiken der Entwicklung in den Blick.

Presseerklärung der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft Flughafen Frankfurt/Main, des Rhein-Main-Instituts und der Regionalgruppe der Stadt-, Regional- und Landesplanung zur Fachtagung "Frankfurt Airport City" am Dienstag, den 22.April im Rathaus Offenbach

Die Frankfurt Airport City, wie sie z.Zt. entwickelt wird, ist ein für unsere Region so bedeutsames Projekt, dass es verwundert, wie wenig davon in der Öffentlichkeit Notiz genommen wird. Obwohl es schon sehr weit gediehen ist, wird erstaunlicherweise auch in der Fachöffentlichkeit unter Stadt- und Regionalplanern kaum darüber gesprochen. Dies war Anlass für die Veranstalter, die mit dieser Entwicklung verbundenen Chancen, bzw. Risiken näher in den Blick zu nehmen.

Nachdem Prof. Wolfgang Christ von der Bauhaus Universität Weimar die Entstehung solcher "Airport Cities" und das damit verbundene Entwicklungs- und Konfliktpotential als internationale Erscheinung aufgezeigt hatte, gab die Darmstädter Stadtplanerin Irmgard Lehn einen Überblick über die historische Entwicklung der Flächen und Nutzungen und die anstehenden Projekte am Frankfurter Flughafen. Herr Mai vom Vorstand der Fraport AG unterstrich erwartungsgemäß die Chancen von Frankfurt Airport City für die Region im Zuwachs von Arbeitskräften und Gewerbesteuer und sieht den Standort im internationalen Vergleich gut aufgestellt.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde diese Entwicklung einer kritischen Betrachtung unterzogen. Prof. Klaus Brake, TU Berlin mahnte an, dass sich die "Flughafen Area", neben Frankfurt einer der beiden wichtigsten Pole der Region, auf seine Kernkompetenz, den Luftverkehr und die damit verbundenen Nutzungen konzentrieren solle. Auch gäbe es einen Nachholbedarf an Aufenthalts- und Orientierungsqualität, insbesondere im Transitbereich. Keinesfalls sollten am Flughafen Nutzungsaktivitäten gebunden werden, die anderswo in der Region mindestens ebenso gut untergebracht werden könnten. Die Zukunft gehöre der wissensbasierten Ökonomie. Die würde sich nur in urbanen Milieus entwickeln, die ausschließlich in den Zentren der großen Städte der Region zu finden seien. Diese Sichtweise unterstrich Frank Albrecht, Präsident des Hessischen und Frankfurter Einzelhandelsverbands. Er warnte davor, dass hier Kaufkraft abgeschöpft werde, die zur Erhaltung der Attraktivität der benachbarten Innenstädte dort dringend gebraucht werde.

Mit den Defiziten in der Behandlung der Airport City in Planungsverfahren setzten sich Hermann Gaffga, Stadtentwicklung Offenbach und Ute Knippenberger, TU Karlsruhe auseinander. Die Airport City Frankfurt entwickele sich "naturwüchsig", von den Marktkräften vorangetrieben – eine Steuerung fände nicht statt. Hermann Gaffga wies in die Planungs- und Legitimationsdefizite detailliert an den Abläufen der diversen Planverfahren seit 1985 nach. Er regte eine kooperative Steuerung der Airport City Entwicklung durch die Kommunen und die Fraport ähnlich wie in Berlin-Brandenburg an. Frau Ute Knippenberger sieht die Ursache der Planungs- und Legitimationsdefizite einerseits am Fehlen des politischen Willens, sich angesichts des in der Region dominierenden Lärmproblems auch noch dieses Konfliktfeldes anzunehmen, zum anderen fehle es auch an angemessenen Planungsinstrumentarien, um diese Vorgänge besser zu steuern.

Aus kommunaler Sicht unterstrich Herbert Hunkel, erster Stadtrat von Neu-Isenburg die kritischen Aspekte zur bisherigen Planung und Entwicklung der Airport City Frankfurt. Die ohnehin durch Fluglärm geplagte Nachbarstadt sieht insbesondere die am Flughafen geplanten Einkaufsmärkte als Gefahr für die eigene Stadtentwicklung.

Die Diskussionsbeiträge der Tagungsteilnehmer bestätigten die Notwendigkeit, das Thema Airport City offensiv zu thematisieren. Die vom Luftverkehr initiierten wirtschaftlichen Triebkräfte, die durch die Privatisierung des Flughafenbetriebs (Fraport AG) zusätzlich verstärkt wurden, müssten zugunsten einer Stadt- und Regionalentwicklung so gesteuert werden, dass die Lebensfähigkeit der urbanen Zentren der Region nachhaltig gefestigt wird.

Die von der Kommunalen Arbeitsgemeinschaft in Kooperation mit dem Rhein-Main-Institut und der Regionalgruppe der Stadt-, Regional- und Landesplanung veranstaltete Fachtagung wurde von Prof. Thießen, TU Chemnitz, moderiert.

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